Donnerstag, 27. Februar 2014

Kottie Paloma – „XOXO“


Ich muss zugeben, dass der Bildband „XOXO“ von Kottie Paloma erst einmal ne Weile bei mir rumgelegen hat, bevor ich mich halbwegs ernsthaft damit beschäftigen wollte. Ich kann noch nicht mal einen konkreten Grund dafür benennen. Aber es gab einfach eine Hürde, die für mich nicht zu nehmen war.
„It´s not my time to die!“ steht auf dem Buchcover. Und vlt. geht es mir ähnlich mit dem lesen und schreiben. Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die im Schreiben eine Verbindung zur Auslöschung sehen. Obwohl das Gegenteil davon genauso Sinn macht. Also das Schreiben als Akt der Schöpfung. Sei es drum.

Kottie Paloma ist ein amerikanischer Künstler der seit geraumer Zeit in Berlin wohnt. Vorher hat er einige Jahre in San Francisco verbracht. Was ihm dann vermutlich das Vorwort von John Dwyer, dem Gitarristen der legendären Band Thee Oh Sees, eingebracht haben dürfte (Legendär sagt man nicht! Merken.). Im September 2012 kam der hier besprochene Band in dem ebenfalls in Berlin ansässigen Verlag Pogo Books heraus. Klar mit Fanzines hat „XOXO“ nicht mehr wirklich viel zu tun. Lediglich das Pogo Books nach wie vor auch Zines verlegt und das die gestalterische Haltung von Kotties Zeichnungen mit der der amerikanischen Underground Comic Szene assoziiert werden kann. Aber genauso, lassen sich Assoziationen zu anderen klassisch gewordene Ikonen der amerikanischen Populär- und Gegenwartskultur entwickeln. Insofern dürfte diese Besprechung eine Ausnahme bleiben.

Was gibt es über den Bildband zu sagen? Er ist verdammt fett und dafür mit 22€ relativ günstig. Vielleicht sogar zu billig. Alles ist im sattesten Offsetverfahren auf fettem Papier gedruckt. Auch der Bindung sind ihre eineinhalb Jahre Gebrauch noch NICHT anzumerken.
Der Band gibt einen Überblick über die unterschiedlichen von Paloma genutzten Medien. Es sind vor allem Papier- und Leinwandarbeiten aber auch einige skulpturale Arbeiten zu sehen. Kotties Stärke sind seine gezeichneten Figuren und Charaktere, wobei viele Alltagsgegenstände darin miteingeschlossen werden müssen. Das ich dies so explizit benenne ist dem einfachen Grund geschuldet, dass viele Dinge (wie Blumenvasen, Zigaretten, Flaschen, Stühle aber auch Tiere) ein Eigenleben führen, bzw. „Verlängerungen“ des Lebens Anderer sind. In ihnen sind vergangene oder sogar zukünftige Zeitebene repräsentiert bzw. verbalisiert. Zum einem steht dieser dramaturgische Trick für eine simple Zeugenschaft unbelebter Dinge über die belebten. Demzufolge reden diese Wände tatsächlich! Zum anderen und darin besteht keine Neuigkeit, kommunizieren Menschen durch Gebrauchsgegenstände mit der sie umgebenden Welt. Und dies nicht nur durch Mobiltelefone. Sie sprechen durch alle ihre Gebrauchsgegenstände (bspw. über Statussymbole). Einzelne Sprechblasen geben hier kurz und knapp eine Zusammenfassung des Verhältnisses von diesem symbolischen oder allgemeinen Gebrauch.
Was dabei zur Sprache kommt, oder zu dieser wird, sind nicht die tiefen Mysterien und Geheimnisse, deren bloße Unterstellung uns den Gang der Welt plausibilisieren soll. Stattdessen wird die ganze Profanität des Lebens sichtbar, also das stinkende Gemenge von (latenter) Gewalt und Langeweile.
In diesem Sinne sind Kottie Palomas Arbeiten entideologisierend. Davon abgesehen haben sie ihren Bezugsrahmen aber immer noch mehr in den USA, als in Berlin oder Deutschwurst. So scheint es mir zumindest. Letztlich sind Schusswaffen hier wohl doch eher ein fiktionaler als ein realer Gegenstand. Was das Leben hier bei weitem nicht weniger profan macht. Zurück bleibt das verletzte (männliche) Selbst, dass leider nicht immer versteht, wo es ebenso Teil der strukturellen Gewalt ist und wird. (Oder doch? S.25)
Etwas weniger dezidiert kritisch hat man eine solche Haltung übrigens auch schon bei Chris Johanson gesehen. Das nur als Randnotiz und zur kategorialen Einordnung.

Kottie Paloma
"XOXO" --> 22oi


Printed in September 2012 
First Edition PogoBooks #053 
ISBN 978-3-942547-20-8  
104 Pages Perfect Bound Softcover 21 x 28 cm 
Full Color Offset

Kaufen kann man den Band direkt bei Pogo Books (auch in verschiedenen raren Editionen) oder im Buchhandel umme Ecke. 
Kottie Paloma findet ihr bei Facebook, im Web oder mit seinen eigenen Shop.

Keine Kommentare:

Kommentar posten