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Montag, 11. Mai 2015

LFO Demon: „No Sleep Till Ragnarök“

Dieser Text ist ursprünglich von mir für´s Skug geschrieben worden. Eigentlich sollte er in der kürzlich veröffentlichten Ausgabe Nr. 102 erscheinen. Wieso das nicht geklappt hat, wurde mir nicht mitgeteilt. Aber hier ist der Text ja auch nicht falsch.

Wie bei vielen anderen Musikern steht bei LFO Demon das Pseudonym für einen spezifischen Charakter, seiner musikalischen Tätigkeit. Als LFO Demon arbeitet der Berliner Musiker Hans-Christian Psaar vor allem mit Versatzstücken verschiedener Genres wie Jungle, Hardcore, Chiptune und Acid. Eine Zeit lang war für eine solche Musik die Umschreibung Breakcore en vogue. Mittlerweile hat sich die Zahl der Veröffentlichungen in diesem – als auch die Identifizierung mit dem – Genre, spürbar verringert. Nichtsdestotrotz umschreibt der Begriff Breakcore hier immer noch ganz gut den musikalischen Gehalt der Single. Der erste Track funktioniert als durchgängig raviger Dancefloor Stomper, inklusive gepitchter Vocals und ordentlich Fanfaren. Der zweite Track beginnt zwar als eine dronige Variante von Dubstep, entwickelt sich aber spätestens nach dem ersten Drittel zu einem Breakbeat Gewitter, welches nur zwischenzeitlich und zum Schluss durch musikalische Motive vom Anfang durchbrochen wird. Gesampelt wird indes, was der Popkultur nunmehr als Zierrat dient. In diesem Fall trifft es den Medientheoretiker Marshall McLuhan genauso, wie die englische Metalband Venom. Der übergeordnete Bezugsrahmen dieser Zitatwelt bildet offensichtlich das Nerd-Universum. Die Titel der beiden Tracks – „Asgard Arkanoid“ und „No Sleep Till Ragnarök“ – sind sowohl Anspielung auf den maskulinen Kosmos von Marvel Comics, der Gamerszene als auch dem Wikingerkult im Heavy Metal. Musikalisch dürften zumindest Letztere weniger glücklich mit der Single werden. Andererseits sollte die farbliche Codierung der Single allen Zufallskäufern ein deutlicher Hinweis auf den ironischen Charakter dieses Zwitterwesens sein. Die auf weißen Vinyl gepresste 7“ Single ist im Januar, in einer Auflage von 250 Exemplaren, auf dem Hamburger Label „Sozialistischer Plattenbau“ erschienen. 

No Sleep Till Ragnarök 7" – LFO Demon -  6,50 €
Auflage 250 Exmpl.
- Asgard Arkanoid
- No Sleep Till Ragnarök 
direkt über Sozialistischer Plattenbau zu beziehen.

Dienstag, 1. April 2014

Terrorrythmus - Small Rooms und mehr

Ich habe von meinem Man Terrorrythmus ein kleines Carepaket erhalten. Was mich freut. Anbei diese beiden Kleinode der Firmen Latenz und Distanzplatten. Also nutze ich die Gelegenheit, um eben jene Juwelen zu besprechen. Aus Gründen der Aktualität lege ich den Schwerpunkt auf die Single Small Rooms von Terrorrythmus. Auf der 7" befinden sich zwei Tracks aus der gleich betitelten Small Rooms EP, die über Bandcamp released wurde. Das ist zum Einen das titelgebende Stück und zum Zweiten, der Track ⊥◎ü¢ℌ – was ich mal frei mit touch übersetzen würde. 
Was auf der Single und der EP zu hören ist, umschreibt das Genre Trap wohl am ehesten. Sowohl bei Small Rooms als auch bei Touch hört man noch die Nachwehen des Post-Dubstep Genres heraus. Das kann man vor allem an den getragenen, melancholisch-melodischen Parts der beiden Songs festmachen. Mit den weiblichen Vocals von Touch gibt es sicherlich noch einmal eine zweite Verbindung zum R´n´B. Wobei R´n´B vermutlich ohnehin Pate für die Produktionen von James Blake und anderen stand.
Als jemand der es gerne ein bisschen abstrakter oder auch auf den Punkt gebracht bekommen möchte, bin ich ein bisschen traurig, dass der Part zwischen 1.06-1.14min von Touch nicht vollkommen ausformuliert wurde. Da wäre einiges an Variationen und vlt. sogar ein eigenständiger Track möglich gewesen. So bleibt es bei einer kurz währenden Verunsicherung der tragenden Melancholie. Alles in allem, durchaus zwei Tracks, die man in ein Set unterbringen kann, wenn es darum geht Herzen zu öffnen.
Ich vermute mal, die Single bleibt eine der wenigen deutschen Trap Produktionen auf Vinyl. Was nicht so sehr mit Trap zu tun hat, sondern vielmehr mit der Bedeutung von analogen Tonträgern für die Rezeption von "elektronischer" Musik. Umso schöner das Arthur(Terrorythmus) und sein Umfeld um das Label Latenz herum, sich zu diesem Schritt entschieden haben. Das große Manko der Single ist leider das Cover. Nichts gegen Glitch. Auch Weser und Wohnungsplatte, kann man alles machen. Aber in diesen Fall funktioniert es nicht sonderlich gut. Eine der Faszinationen von Glitcheffekten ist die dabei entstehende Räumlichkeit, welche durch einen Zufall/Fehler hervorgerufen wird. Wenn diese Faszination mal in der Bildvorlage drin gesteckt haben sollte, dann ist es in der Reproduktion verloren gegangen.

Das Cover der Distanzplatte kann da schon mehr. Und auch musikalisch kann diese weitere 7" Trap/Juke  Single durchaus überzeugen. Vor den Wahlen von Desmond Denker ist dabei durchaus geeignet den Dancefloor zum Kochen zu bringen. Ein zerhackter Samba Rhythmus(?) im angezogenen Tempo lässt Juke Stimmung aufkommen. Anschließendes Footworking kann nicht ausgeschlossen werden. Nach den Wahlen von Terrorrythmus ist ein bisschen verspielter und stellt das Sample von Angela Merkel in den Vordergrund. Dazu gibt es noch ein paar punchende Beats, Sirenen und Signale.
Das Thema der Platte finde ich dagegen nicht so prall. Die Empörung darüber, das Wahlversprechen nicht eingehalten werden (wenn hier auch ironisch gebrochen), suggeriert, dass es eine ethische Form der hiesigen Politik geben könnte. Aber eine Formulierung der "wahren" politischen Ziele macht diese Politik keineswegs besser oder eine "bessere" Wahl denkbarer. Viel interessanter ist dagegen, warum die Mehrheit der Wahlberechtigten an eine ehrliche Politik – also der Vermittlung von antagonistischen Widersprüchen – glauben möchte. Dagegen eine personifizierte Form der Kritik in Anschlag zu bringen, ist zumeist die langweiligste Kritik die Popmusik zu bieten hat. Dies schmälert gleichwohl nicht die musikalischen Qualitäten der Single und das Wahlvolk in der Disse geht mit eben jener Form der Kritik sicherlich auch d´accord, sollte sie ihnen denn überhaupt noch auf den Nägeln brennen. 

Small Rooms – Terrorrythmus -  7€
- ℝѺѺ♏ṧ
- ⊥◎ü¢ℌ 
direkt über Latenz zu beziehen.

Wahlen Shake – Desmond Denker & Terrorrythmus – 7€
- vor den Wahlen
- nach den Wahlen
über Bandcamp.

Montag, 27. Mai 2013

UR not alone in this



Tja Kiddos, ich bin mit meinen bescheuerten Ideen nicht alleine auf und in dieser Welt. Vor ein paar Tagen bin ich über den Blog 7 Inches von Jason Deagan aus Brooklyn NYC gestolpert. Der macht das anscheinend schon ein bissl länger und sicherlich auch professioneller. Und so haben sich schon eine ganze Latte von Reviews angesammelt, die man sich antun kann. Das tollste, die Reviews von Oktober 2005 bis März 2011 lassen sich als PDF downloaden. Auf dem Blog findet man den Link in der rechten Spalte, ein bisschen versteckt oder aber direkt hier. Für 7"-Schnüffel-Nasen sicherlich ein brauchbares Kompendium. Ich suche gleich mal nach den Thee Oh Sees. Mit der Finderfunktion dürfte dies kein Problem sein :-)

Dienstag, 19. März 2013

The Sacred Travelers 7inch

Also so prall ist das Foto hier auch schon wieder nicht. Aber ich glaube diesmal lag´s an mir. War vlt. zu kaputt am Freitag, nach dem Konzert und am kommenden Tag auch noch. Und sowieso immer zu wenig Licht hier in meinem Zimmer. Also ganz weit weg von der Kraft der Sonne Afrikas. 
Jedenfalls habe ich es Samstag Abends nicht mehr vor die Tür geschafft. Aber zu der 7" Single hat´s am Freitag alle mal noch gereicht. Und auch jetzt gerade läuft die schon wieder eine Runde nach der anderen. Quasi inspirative Quelle. Und als Surogat für´s fehlende Licht.
Im Trickster war vergangenen Freitag der angebliche Abschiedsgig von Awesome Tapes from Africa in Deutschland angesetzt und die Chance wollte ich mir dann doch nicht nehmen lassen. Mittlerweile habe ich erfahren, dass es vlt noch einen Auftritt in der Spedition/Bremen geben soll. Was mich für die Bremer natürlich freut. Ich hoffe sie wissen es zu würdigen. 
Ich hatte Brian Shimkovitz aka A.T.F.A. (Interview, Wire) beim Wax Treatment knapp verpasst und einmal ein bisschen was im Monarchen gesehen. Ich finde seine Sammlung und Arbeit für Awesome Tapes ganz wunderbar. Und im Besonderen das Tape von Prince Khonjo ist mir lieb und teuer geworden, wenn auch nur in der digitalen Form. Am Freitag hatte ich dann nicht mehr die Power bis ganz zum Schluss des Sets zu bleiben, aber es gab ein paar ganz tolle Musiken. Auch von Dj Fett.
Naja.
Aber eigentlich möchte ich ja über die Single der Band The Sacred Travelers schreiben. Aber es passt so gut zusammen, hier, die Kassetten und die Single und das alles sowieso an einem Abend.
Die Single gab´s zum Einführungspreis ;-) von 5€. Was bei einer Miniauflage ein durchaus fairer Preis ist. Und auch wenn die Band an dem Abend sehr gut war, ist die Single darüber hinaus noch eine positive musikalische Überraschung. Klingt alles so wunderbar aus einem Guss. Wobei zum einem und das sehr stark, auf die Nordafrikanische Musiktradition und auch der arabischen Halbinsel referiert wird aber anderseits durchaus die (mittlerweile) Musiktradition eines John Zorns mitgedacht wird. Wobei diese beiden Pole ja auch so schon nicht ganz weit von einander entfernt liegen.
Sehr schön und eben über das Konzerterlebnis hinausweisend, finde ich den Beginn der zweiten Single-Seite, wo sehr minimalistisch musikalische Themen von ein Syntheziser und E-Drums (?) aufgegriffen, die dann aber im konzertanten Spiel weitergeführt und beendet werden. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der Anfang auch über die ganze Länge der Seite getragen hätte, aber auch diese Version ist sehr, sehr gut. Aufgenommen wurden die beiden Tracks übrigens auch bei einem Konzert in Berlin, genaugenommen im Ausland. Davon kursiert ein Video bei Youtube. Und den Mitschnitt hier unten auf Soundcloud. Man merkt der Single aber durchaus an, dass sie über das Mischpult aufgenommen wurde. Und das ist durch und durch ein Pluspunkt.
Wovon ich Anfangs ein bisschen abgeschreckt war, dass die Band dann doch sehr an eine Hippie/Kirchengruppe erinnert hat. Also jetzt beim Auftritt. Und irgendwie denke ich mir schon, boah, geht das nicht auch anders? Die Boys und Girls in Africa laufen schließlich auch längst in Sneakers durch die Savanne. Aber gut, wer so viel mit den Instrumenten übt, hat halt wenig Zeit seine Skills bezüglich des Kleidungsstils zu proben. Naja, und bei einer Band von fast 10 Leuten, hat dieser erste Eindruck durchaus eine Revision oder auch Spezifizierung verdient. Und wie gesagt, musikalisch, ganz weit vorne. Ich freue mich auf weitere Veröffentlichungen, gerne auch mal ein Tape von 60min, denn die Single ist dann doch nur dazu geeignet die Vorlust zu steigern aber nicht ihrem Ende zuzuführen.
Das Label Valis Records und dessen neueste Veröffentlichung ist (noch) nicht im Web zu finden. Aber vlt schreibt ihr bei Lust einfach den Mastermind hinter dem ganzen Projekt an, Big Daddy Mugglestone.
Web.
Mail: mugglestone[at]gmail[dot]com
The Sacred Travellers live at The ausland Juke Joint by broeckel
Brian Shimkovitz aka A.T.F.A.


The Sacred Travelers

Freitag, 8. März 2013

they found my body by the river


Da hab ich mich gefreut. Letztes Jahr. Endlich mal etwas gewonnen. Ein 7" Vinyl mit dem Namen THEY FOUND MY BODY BY THE RIVER. Und es gab noch ne alte Postkarte mit Bergpanorama oben drauf.
T.F.M.B.B.T.R. ist aber auch ein Blog, den ich seit geraumer Zeit verfolge. Auf persönliche Einladung. Denn hinter dem, ja was ist es denn nun eigentlich, eine Band, ein Zeichner, ein Blogger? steht Ansgar Wilken. Und das ist ein Buddie von mir, den ich noch aus Bremen kenne. Und jetzt erzähle ich wieder die Geschichte mit der ersten Platte, die ich mir in Bremen gekauft habe. 
Als ich vor über 9 Jahren nach Bremen ging, habe ich mir zumindest das erste halbe Jahr lang immer den Bremer gekauft. Also das lokale Veranstaltungs- und "Kultur"Blättchen. Da gab es die Rubrik Platten aus Bremen. Die Band die dort besprochen wurde, hieß Juli/Juni. Eine fast unhörbare Improplatte, u.a. von eben jenen Ansgar Wilken und auch Tim Tetzner, der später den Plattenladen Dense in Berlin aufzog. Mir gefiehl das Cover und was dort geschrieben stand und wie verrückt das klang (oder vlt. habe ich das auch nur so in Erinnerung). So das ich mir das Ding sofort gekauft habe.
Da kannte ich Ansgar und Konsorten aber noch nicht. Es hat aber nicht übermäßig lange gedauert bis man zueinander fand. Und irgendwie ist es in der Welt so eingerichtet, dass die Verrückten irgendwie zusammen halten müssen. Also ist der Kontakt nie ganz abgebrochen. Ihr meint vlt das wäre der Grund, also Buddiefaktor, dass jetzt hier die Platte besprochen wird. Das ist insofern richtig, weil ich so überhaupt etwas mitbekommen habe, von dieser Platte in winziger Auflage von 125 Exmplaren. Und vlt auch schnell genug war Ansgar zu schreiben, dass ich zu den ersten fünf Antwortern gehören möchte, die die Platte gewinnen. 
Aber wäre die Platte unhörbar oder fast unhörbar oder vlt sogar Scheisse, dann würdet ihr das jetzt hier lesen können. Ist sie aber nicht. 
Ansgar ist ein echter Tausendsassa, ein Hans Dampf in allen Gassen, der in etwa tausend verschiedene Musik Projekte verfolgt. Eine ganz Zeit habe ich ihn vor allem mit seinem Cello und einem Looppedal gesehen und das war mal mehr gut, mal weniger. Quasi Tagesformabhängig. Von der Musik auf der Single habe ich ähnliches erwartet. Aber dann waren die Tracks Popsongs, vlt. ein bisschen an die Lieder erinnernd, die er mit der Band Ilse Lau zusammen gemacht hat. Denn die Songs auf der Platte haben einen Anfang und ein Ende und zwischendrin passiert was. Und das auf sehr angenehme aber auch spannende Weise. Auch weil die Tracks so abwechslungsreich sind. Hat man Zehn Zens gehört, weiß man trotzdem nicht, wie Jean Cocteau klingen wird. Beide Songs ganz toll aber auch A to Z. Naja, kann man hier oben selbst hören. Und sagt nicht, ich hätte nicht recht. Ach so toll kann deutsches No Wave sein und alles passt so schön zusammen, trotz der Unterschiedlichkeit. Ordern kann man die Single u.a. über die Bandcamp Seite. In Berlin gibt´s vlt noch zwei, drei Exemplare bei 33 rpm Records im Wrangel Kiez.
Achso: Neues Release gibt´s auch schon wieder :-)